Die Liste ist raus: Sechs Weltmeister, darunter fünf Stars des FC Bayern München, sind unter den 23 Kandidaten für die Wahl des Fifa-Weltfußballers 2014. Haben sie tatsächlich Chancen, den Ballon d'Or zu gewinnen? Wir machen den Check.

Manuel Neuer

Spätestens mit der WM 2014 hat Manuel Neuer bewiesen: Er ist der beste Torwart der Welt. Ohne den überragend haltenden sowie gleichzeitig exzellent mitspielenden Neuer wäre Deutschland möglicherweise bereits im Achtelfinale gegen Algerien gescheitert.

Beim FC Bayern München ist der 28-Jährige ohnehin unumstritten. Selbst die Hardcore-Bayern-Fans, die ihn anfangs wegen seiner Schalker Vergangenheit verteufelten, haben ihre Nummer eins lieb gewonnen. Warum auch nicht? Neuer hat seine groben Patzer abgestellt, übernimmt wie im Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Chelsea als Elfmeterschütze Verantwortung und hat das Torwartspiel mit seiner offensiven Spielweise revolutioniert.

Bei der WM 2014 wurde Neuer als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet. Für viele war sogar er - und nicht Lionel Messi - der beste Spieler der WM.

In der Vorsaison kassierte Neuer die wenigsten Gegentreffer in der Liga. Aktuell sind es nach neun Spieltagen nur zwei. 658 Minuten lang wurde Neuer nicht mehr überwunden. Noch fehlen 227 Minuten bis zu Timo Hildebrands Rekordmarke aus dem Jahr 2003. Und dennoch: Neuer wird kaum eine Chance haben, den Ballon d'Or zu gewinnen. Schließlich ist er Torwart. Und noch nie wurde ein Torwart Weltfußballer des Jahres. Ob sich das im Hinblick auf die nominierten Offensiv-Weltstars Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Co. in diesem Jahr ändern wird?

Titelchance: 10%

Philipp Lahm

Philipp Lahm teilt ein ähnliches Schicksal wie Neuer. Als Defensivspezialist steht der Kapitän des FC Bayern München nicht so stark im Fokus. Beim 6:0-Sieg gegen Werder Bremen traf Lahm, der unter Pep Guardiola weiterhin zwischen Rechtsverteidiger- und Mittelfeldposition pendelt, zwar doppelt. Dennoch ist die Torquote des 30-Jährigen mit zwölf Treffern in 322 Ligaspielen überschaubar.

Natürlich sagt das wenig aus - schließlich hat Lahm seine Stärken vor allem in der Defensive. Dazu gehören unter anderem das richtige Timing fürs Tackling sowie die Fähigkeit, bei Ballgewinn die Kugel schnell nach vorne zu treiben.

Dennoch: Lahm hatte lediglich ein gutes, aber keineswegs ein überragendes Jahr. Sowohl in der Nationalelf als auch bei den Bayern stand er einige Male falsch zum Gegenspieler. Dass Lahm auf der erweiterten Fifa-Liste steht, ist zwar berechtigt. Doch unter die Top drei wird Lahm sicher nicht gewählt werden.

Titelchance: 1%

Bastian Schweinsteiger

Er war das Gesicht des WM-Finals: Bastian Schweinsteiger trotzte den zahlreichen Fouls der argentinischen Gegenspieler, biss sich 120 Minuten lang durch, um sich den großen Traum vom WM-Titel zu erfüllen. Die Leistung des Mittelfeldstars im Endspiel gegen Argentinien (1:0) war unglaublich - in spielerischer, vor allem aber auch in kämpferischer Hinsicht.

Seine Führungsqualitäten, sein Passspiel und auch seine Torgefahr stachen in diesem Jahr bislang heraus. Schweinsteiger wäre nach der mehr als überzeugenden WM ein legitimer Kandidat, um Cristiano Ronaldo vom Weltfußballer-Thron zu stoßen - wenn da nicht das immense Verletzungspech wäre, das Schweinsteiger seit Monaten plagt. Seit dem WM-Finale bestritt der 30-Jährige kein einziges Pflichtspiel. Wann Schweinsteiger sein Comeback im Dress des FC Bayern geben wird, ist weiterhin nicht absehbar. Ein monatelang verletzter Weltfußballer? Schwer vorstellbar.

Titelchance: 5%

Toni Kroos

Jahrelang war Toni Kroos bei Joachim Löw nicht mehr als ein Edelreservist - bis zur WM 2014. Bei dieser stellte der Bundestrainer das System ein wenig um und schuf so Platz für den technisch versierten Rechtsfuß. Kroos zahlte das Vertrauen mit Leistung zurück. Zum Auftakt gegen Portugal (4:0) bereitete der 24-Jährige zwei Treffer vor. Im Viertelfinale gegen Frankreich (1:0) schlug er die Freistoßflanke zum Tor haargenau auf den Kopf von Mats Hummels. Und beim 7:1-Kantersieg gegen Brasilien bereitete Kroos nicht nur ein Tor vor, sondern traf auch noch doppelt. Wäre da nicht die eher schwächere Leistung gegen Argentinien samt Katastrophen-Rückpass in den Lauf von Gegenspieler Gonzalo Higuain gewesen, hätte Kroos zum Spieler des Turniers gewählt werden müssen.

Die überzeugende Leistung bei der WM überraschte viele. Schließlich hatte Kroos im Verein beim FC Bayern eine allenfalls überschaubare Saison absolviert. Im Jahr 2014 kam der Mittelfeldspieler auf nur zwei Scorerpunkte (ein Tor, ein Assist) in der Bundesliga. Erst dank der starken WM flammte das Interesse seines neuen Arbeitgebers Real Madrid richtig auf. Bei den Königlichen legte Kroos mit fünf Torvorlagen einen ordentlichen Start hin. Insgesamt reicht das alles aber nicht für einen Platz unter den Top drei, geschweige denn für den Gewinn des Ballon d'Or.

Titelchance: 1%

Mario Götze

Für immer wird Mario Götzes Name mit dem WM-Finale 2014 in Verbindung stehen. In der 113. Minute erzielte der Bayern-Star das Goldene Tor und schoss Deutschland zum vierten Weltmeistertitel. Reporter sagen in diesem Fall gerne: ausgerechnet Götze. Denn bis dahin war es nicht das Turnier des 22-Jährigen. Einzig gegen Portugal spielte Götze durch, beim Halbfinalsieg gegen Brasilien wechselte Löw Julian Draxler statt den Bayern-Spieler ein.

Es passte in die wechselhafte Saison, die Götze in der Bundesliga für den FCB absolvierte. Trotz seiner insgesamt zehn Tore und neun Assists waren die Bayern-Verantwortlichen um Trainer Pep Guardiola und Sportvorstand Matthias Sammer mit ihrem Sommer-Einkauf unzufrieden. Die Angst war da, dass Götze sein Ausnahmetalent verschludern könnte.

In der aktuellen Spielzeit läuft es hingegen deutlich besser für den gebürtigen Memminger. Sechs Tore in acht Bundesliga-Spielen - ein sehr achtbarer Wert. Doch für den Gewinn des Ballon d'Or müsste Götze noch viel konstanter werden.

Titelchance: 1%

Thomas Müller

Es gibt wohl keinen Trainer auf der Welt, der Thomas Müller nicht in seinem Team haben möchte. Der 25-Jährige wirbelt nicht nur in der Offensive, sondern ist auch stets in puncto Defensivarbeit und Leidenschaft ein Vorbild für seine Mannschaftskollegen.

Wie wichtig Müller insbesondere für die Nationalmannschaft ist, bewies er einmal mehr beim Auftaktspiel der WM gegen Portugal, als er dreifach einnetzte.

Müller ist mit seiner unorthodoxen Spielweise für jeden Gegner schwer auszurechnen. Seine Ideen sind unvorhersehbar, seine Laufwege unergründlich - doch auch wenn er eine starke Saison für den FC Bayern absolvierte und Weltmeister wurde: Mit insgesamt acht Liga-Toren im Jahr 2014 steht er international gesehen im Schatten der Tormaschinen Ronaldo und Messi. Dennoch dürfte er die besten Chancen aus der Riege der deutschen Weltmeister haben.

Titelchance: 15%

Fazit

Der FC Bayern München hat zwar das nationale Double gewonnen und stand im Halbfinale der Champions League. Zudem wurden gleich fünf aktuelle Bayern-Spieler Weltmeister - nimmt man Ex-Bayer Kroos hinzu, sind es gar sechs. Und dennoch stehen die Chancen darauf, dass ein deutscher Profi den Ballon d'Or gewinnt, äußerst schlecht. Zu dominant und vor allem torgefährlich waren einmal mehr Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in ihren Klubs. Sie dürften das Rennen erneut unter sich ausmachen.