• Werder Bremen schafft den Klassenerhalt mit nur neun Treffern in 21 Partien.
  • Für Turbine Potsdam stehen Wochen der Wahrheit an. Im Sommer wird es einen großen Umbruch geben, in den nächsten zwei Partien geht es aber nochmal um alles.
  • Der VfL Wolfsburg holt zum siebten Mal die Deutsche Meisterschaft. Droht jetzt die große Langeweile oder gibt es Hoffnung auf Abwechslung?

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Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Frauen jagen dem Ball hinterher und am Ende gewinnt der VfL Wolfsburg die Deutsche Meisterschaft. Ausnahmen wie in der vergangenen Saison bestätigen die Regel. Zum siebten Mal setzen sich die Wölfinnen die Krone in der Bundesliga auf. Damit ziehen sie gleich mit dem 1. FFC Frankfurt, der heute Teil der Eintracht ist, und dürfen sich nun Rekordmeisterinnen nennen.

Die Bundesliga-Tabelle einen Spieltag vor Schluss im Überblick:

Große Spannung verspricht der letzte Spieltag im Duell um Platz drei. Nach der Heimniederlage von Turbine Potsdam gegen Eintracht Frankfurt ist die Spitze hinter Wolfsburg und Bayern nochmal zusammengerückt. Auch im Tabellenkeller gibt es zumindest auf dem Papier noch etwas Spannung. Die Ergebnisse des vorletzten Spieltags:

Die Themen der Woche: Werder Bremen als Minimalismus-Meisterinnen, Potsdam vor wegweisenden Wochen und die große Frage, wer den VfL Wolfsburg in Zukunft eigentlich stoppen soll.

1. SV Werder Bremen: Meisterinnen des Minimalismus

Werder Bremen hat unter allen Bundesliga-Teams womöglich die kurioseste Saison hingelegt. In bisher 21 Partien haben sie erst neun Treffer erzielt. Demgegenüber stehen 42 Gegentore. Der SC Sand, der am kommenden Wochenende wahrscheinlich absteigen wird, hat ebenfalls 42-mal ins eigene Netz greifen müssen, allerdings vier Tore mehr auf dem Konto.

Bremen hat dennoch sechs Punkte mehr gesammelt. Sie sind die Meisterinnen des Minimalismus. In keiner Partie erzielte Werder mehr als ein Tor. Vor allem gegen die Konkurrenz waren sie hocheffizient. 1:0-Siege gab es beispielsweise in den Heimspielen gegen den SC Sand, die SGS Essen und sogar gegen Eintracht Frankfurt. Der vierte Saisonsieg gelang ihnen in Sand – natürlich mit 1:0.

Hinzu kommen sechs Unentschieden – dreimal 0:0 und dreimal 1:1. Während sich Werder teilweise deutliche Niederlagen gegen Bayern (0:8) oder die TSG Hoffenheim (1:7) abholte, verloren sie nur ein einziges Duell mit der direkten Konkurrenz: Mitte Februar gab es eine 0:2-Heimpleite gegen Jena.

Wie nachhaltig ist Bremens Erfolg?

In zehn Duellen mit den Teams aus der unteren Tabellenhälfte hat Werder nur acht Gegentore kassiert. Die SGS Essen ist unter den letzten Sechs das einzige Team, das ebenfalls auf diesen Wert kommt – allerdings bei nur neun Spielen. Am letzten Spieltag treffen sie auf Jena.

Bremen hat in diesen zehn Spielen 14 Punkte gesammelt. Sand (11) und Jena (5) steigen deshalb ab. Die Grün-Weißen beißen sich damit auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg oben fest. Auf der starken Defensivleistung lässt sich in der kommenden Saison aufbauen.

Allerdings wird die große Frage sein, ob der Minimalismus nachhaltigen Erfolg verspricht. Einige der knappen Siege hätten in die andere Richtung kippen können. Das große Sommerthema an der Weser dürfte also sein, wie es gelingt, offensiv noch mehr Gefahr auszustrahlen, ohne hinten so viele Gegentore zu kassieren wie noch im ersten Jahr (67).

Spielerin der Woche: Lara Prasnikar

Die Slowenin wird in den Debatten um die besten Spielerinnen der Liga gern vergessen. Dabei ist sie für Eintracht Frankfurt unverzichtbar. Gegen ihren Ex-Klub Turbine Potsdam hat sie den Traum von Europa am Leben gehalten. In der 72. Minute traf sie nach einem Standard zum wichtigen 1:0 für die SGE, der eine furiose Schlussphase ihres Teams einleitete. Mit elf Toren und acht Assists ist sie die beste Scorerin der Eintracht – und gemeinsam mit Bayerns Lea Schüller die zweitbeste der Liga.

2. Turbine Potsdam: Wochen der Wahrheit

Besser ist nur Melissa Kössler, die mit ihrer 21. direkten Torbeteiligung das Tor zur Champions League für Turbine Potsdam ganz weit hätte aufstoßen können. Doch es blieb bei 20 Scorerpunkten, weil Sophie Weidauer ihre perfekte Vorlage freistehend vor dem Tor nicht nutzen konnte. „Da hatten wir Glück, dass sie den nicht macht“, sagte Frankfurts Trainer Niko Arnautis hinterher.

Acht Minuten waren da erst gespielt, aber vielleicht hätte der Führungstreffer den Spielverlauf gedreht. In der zweiten Halbzeit wurde Frankfurt allerdings immer besser. Schon kurz vor dem Führungstreffer hätte Prasnikar das Toreschießen eröffnen können, aber sie verzog wie Weidauer knapp.

„Uns hat in der zweiten Halbzeit die Aktivität gefehlt“, resümierte Potsdam-Coach Sofian Chahed anschließend: „Die Frankfurter waren einfach frischer und deswegen geht der Sieg völlig verdient nach Frankfurt.“

Gelingt Potsdam das letzte Hurra vor dem Umbruch?

Für Potsdam stehen jetzt zwei Finals an. In der Bundesliga muss der Traditionsklub am letzten Spieltag beim FC Bayern München gewinnen, um die Champions-League-Qualifikation zu erreichen. Gewinnen sie nicht, hat Frankfurt einen Matchball daheim gegen Bremen. Außenseiterchancen hat die TSG Hoffenheim, die mit einem hohen Sieg gegen den SC Sand und zwei Niederlagen der Konkurrentinnen noch auf Platz drei rutschen könnte.

Wichtig wäre die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb aus Sicht von Turbine Potsdam nicht nur aus sportlichen Gründen. Psychologisch kann ein erfolgreicher letzter Spieltag einen großen Aufwind für das Pokalfinale geben. Am 28. Mai treffen die Brandenburgerinnen in Köln auf den VfL Wolfsburg.

Besonders brisant ist nach wie vor die fehlende Planungssicherheit hinsichtlich des Kaders. Am Wochenende wurden mit Melissa Kössler, Sara Agrez, Isabel Kerschowski, Gina Chmielinski, Dina Orschmann, Zala Mersnik und Wibke Meister bereits sieben teils sehr wichtige Spielerinnen verabschieden. Sieben weitere Verträge laufen im Sommer aus – darunter jener von der aktuell verletzten Torjägerin Selina Cerci.

Mit der Qualifikation für die Champions League könnte Potsdam wichtige Einnahmen verbuchen, um die großen Lücken aufzufüllen. Gleichzeitig droht hier ein Traditionsklub auseinanderzufallen. Die sechsmaligen Meisterinnen stehen vor richtungsweisenden Wochen. Wohin geht die Reise dieses renommierten Klubs, dem der deutsche Frauenfußball so viel zu verdanken hat?

Zitat der Woche

„Warum sollen wir nicht auch mal in München was mitnehmen?“ – Potsdam-Trainer Sofian Chahed auf der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen Frankfurt.

3. Wer stoppt den VfL Wolfsburg?

In die zweite Reihe verdrängt wurde Potsdam einst unter anderem vom VfL Wolfsburg, der seine Bemühungen im Frauenfußball innerhalb von einer Dekade derart nachhaltig und erfolgreich intensivierte, dass in Deutschland quasi keine Konkurrenz mehr vorhanden war.

Seit 2013 kamen die Meisterinnen nur dreimal nicht aus der Autostadt, dreimal war der FC Bayern dafür verantwortlich.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es den Wölfinnen auch in dieser Saison wieder, die Schale nach Niedersachsen zu holen. In der Rückrunde waren sie klar das beste Team in Deutschland und schafften es in der Champions League sogar, dem FC Barcelona die bisher einzige Saisonniederlage zuzufügen. Wolfsburg hat eindrucksvoll bewiesen, dass das Jahr 2021 nur ein Ausrutscher war.

Ein anderes Team an der Spitze ist im Moment nur möglich, wenn sich der VfL im Umbruch befindet oder aus anderen Gründen an Qualität verliert. Anders als beim Bundesliga-Pendant der Männer besteht aber Hoffnung, dass sich das bald ändern könnte. Dass die Bayern grundsätzlich das Potenzial haben, den Abstand zu verringern, haben sie auch in dieser Saison wieder gezeigt.

Frauen-Bundesliga: Mit Konkurrenzschwächung zum Dominanzerhalt?

Zwar hat Wolfsburg mit Sara Agrez (Turbine Potsdam), Jule Brand (TSG Hoffenheim), Merle Frohms (Eintracht Frankfurt) und Marina Hegering (FC Bayern) allen Konkurrentinnen gezeigt, wer die Frau im Haus ist, doch überbewerten sollte man das nicht.

Frankfurt konnte bisher alle weiteren Schlüsselspielerinnen halten, teilweise sogar die Verträge verlängern. Dass Frohms an den Mittellandkanal wechselt, liegt auch an ihrer Wolfsburger Vergangenheit. Hegerings Wechsel tut den Bayern auf dem Papier sicher weh. Andererseits war die mehrfache Nationalspielerin in den letzten Monaten keine Hilfe. Zu oft war sie verletzt, zu selten ein verlässlicher Baustein fürs Team.

Verstärken sich Frankfurt und Bayern an den richtigen Stellen, könnte es an der Spitze der Bundesliga bald sogar einen Dreikampf geben, der es in sich hat – mit Hoffenheim und Potsdam als Wundertüten in Lauerstellung. Wolfsburgs insgesamt siebte Meisterschaft in zehn Jahren ist also nicht als Indiz der drohenden Langeweile zu werten.

So geht es jetzt weiter

Ein Bundesliga-Spieltag steht noch aus. Von den Bayern Frauen gab es bisher noch keine Gerüchte, dass das Team zuvor nach Ibiza fliegt, aber dennoch werden viele Frankfurter und Frankfurterinnen nach München blicken.

Die SGS Essen steht ebenfalls im Fokus. Verlieren sie ihr Heimspiel gegen Jena, kann der SC Sand die vor einigen Wochen für unmöglich gehaltene Überraschung packen. Dafür müssen sie aber bei der TSG Hoffenheim gewinnen, für die es selbst noch darum geht, eine kleine Europachance zu wahren. Der 22. Spieltag im Überblick:

  • Köln – Freiburg
  • Hoffenheim – Sand
  • Frankfurt – Bremen
  • Bayern – Potsdam
  • Wolfsburg – Leverkusen
  • Essen – Jena (alle Sonntag, 14:00 Uhr, MagentaSport)
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