Vor dem Rückrundenstart in der Bundesliga ist beim FC Bayern ein Kampf um die Stammplätze entbrannt. Sogar jahrelange Stammspieler wie Franck Ribéry müssen um ihren Platz in der Heynckes-Elf zittern.

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Wenn der FC Bayern zum Rückrundenauftakt der Bundesliga bei Bayer Leverkusen antritt (20:30 LIVE im ZDF, im Eurosport Player und bei uns im Ticker), kann Trainer Jupp Heynckes beinahe aus dem Vollen schöpfen. Manuel Neuer und Thiago sind die einzigen noch länger verletzten Akteure, Mats Hummels und Robert Lewandowski sind voraussichtlich ab nächster Woche wieder einsatzbereit.

Alle anderen sind fit und drängen in die erste Elf. Doch nur noch wenige Planstellen im Heynckes-Team sind frei.

Abwehr: Boateng gegen Süle

Die vergangene Saison war zum Vergessen für Jerome Boateng. Aufgrund von Verletzungen kam der Weltmeister auf lediglich 21 Pflichtspieleinsätze. Den Rang des Abwehrchefs hat ihm Mats Hummels inzwischen abgelaufen.

Auch den Saisonstart der aktuellen Spielzeit verpasste Boateng aufgrund einer Verletzung.

Der Nutznießer der Boateng-Verletzung hieß Niklas Süle. Der 22-Jährige, der vor der Saison von der TSG 1899 Hoffenheim an die Isar gewechselt war, sprang direkt ein und spielte sich in die Stammelf des FC Bayern. Dort bliebt er auch, als Boateng wieder fit wurde.

Generell hatte Boateng unter Ex-Trainer Carlo Ancelotti keine leichte Zeit. Im "Kicker" erklärte er vor einiger Zeit, er habe in der Ancelotti-Zeit über einen Wechsel nachgedacht.

Unter Heynckes ist zwar der Wohlfühl-Faktor zurück, dennoch bekam Süle öfter als gedacht den Vorzug - unter anderem auch beim Bundesliga-Topspiel in Dortmund.

Boateng und Süle gehen beide topfit in die Rückrunde und werden sich einen echten Kampf um die Position neben Hummels liefern. Sofern er fit bleibt, hat Boateng die Nase vorn.

Doch Kronprinz Süle wird ebenfalls seine Einsatzzeiten bekommen. Denn Heynckes wird auch in der Rückrunde in der Innenverteidigung weiter durchrotieren, um die Belastung der verletzungsanfälligen Boateng und Hummels möglichst gering zu halten. In den entscheidenden Spielen - vor allem in der Champions League - wird Heynckes aber auf das Weltmeister-Duo Hummels/Boateng setzen.

Mittelfeld zentral: Vidal gegen Tolisso

Unter Ancelotti gab es im zentralen Mittelfeld quasi keine Stammplätze, Corentin Tolisso, Arturo Vidal und Sebastian Rudy wechselten sich in schöner Regelmäßigkeit ab.

Heynckes änderte das. Er zog Javi Martinez, einen wichtigen Baustein aus der Triple-Saison, wieder vor auf die Sechs. Seit der Heynckes-Rückkehr verpasste der überwiegend verletzungsfreie Spanier lediglich vier Pflichtspiele. In fast allen anderen Partien stand er zudem in der Startelf.

Der Platz neben Martinez ist zwar nicht fest vergeben, jedoch hat Heynckes eine klare Tendenz - und die heißt Arturo Vidal.

Kurz nach seinem Comeback kritisierte Heynckes den Chilenen mit ungewohnt deutlichen Worten: "Ich habe gesagt, dass ich mit seinem gesamten physischen Zustand nicht zufrieden bin und dass er etwas ändern muss, wenn er spielen möchte."

Diese Warnung kam bei Vidal an. Ende November erklärte er im Gespräch mit "Sport1": "Ich fühle mich körperlich deutlich besser. Ich bin jetzt bei 100 Prozent."

Und auch die Leistungskurve des Chilenen ging zuletzt steil nach oben. In den letzten sechs Bundesligaspielen vor der Winterpause stand er in der Startelf, erzielte vier Tore.

Der Leidtragende dieser Entwicklung ist Corentin Tolisso. Der Rekordtransfer des FC Bayern stand bis zum Ancelotti-Aus fast immer in der Startelf. Heynckes jedoch setzte zu seinem Start auf altbewährte Kräfte. Tolisso rutschte somit ins zweite Glied.

Vidal und Tolisso werden um den Platz neben Martinez kämpfen. Der dritte Mitbewerber Sebastian Rudy hat eher Außenseiterchancen. Dennoch wird auch er seine Einsatzzeiten bekommen. Beste Aussichten auf einen Stammplatz hat aktuell jedoch Vidal.

Flügel: Ribery gegen Coman

Der Zahn der Zeit nagt an Franck Ribéry. Der Franzose beherrschte fast ein Jahrzehnt die linke Außenbahn bei den Bayern. Doch mit inzwischen 34 Jahren häufen sich die Verletzungen. In der Hinrunde fehlte er zwei Monate mit einem Außenbandriss im Knie.

In dieser Saison fällt das Fehlen Ribérys allerdings kaum noch auf. Und das hat einen Grund: Kingsley Coman. In seiner dritten Saison hat der 21-jährige Landsmann von Ribéry etwas entwickelt, was ihm in den Spielzeiten davor noch abging - Konstanz.

Coman nutzte Ribérys Abwesenheit und spielte sich auf der linken Seite im Team der Münchner fest. Auch in der Champions League wusste er zu glänzen, wie zum Beispiel mit zwei Assists beim 3:1-Sieg gegen Paris Saint-Germain. Ribéry ist zwar wieder fit, muss um seinen Platz im Team allerdings kämpfen.

Bleibt Ribéry verletzungsfrei, ist er immer noch einer der besten Linksaußen der Bundesliga. Doch Coman hat ihm in dieser Saison den Rang abgelaufen. Zumal Ribéry kaum noch Kraft für 90 Minuten hat.

Heynckes muss die Einsatzzeiten seines alternden Flügelflitzers wohl dosieren, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Doch die Abhängigkeit der Bayern von "König Franck" ist vorbei, sein Nachfolger scheint gefunden. Und dieser hat aktuell die Nase vorn.

Mittelfeld Offensiv: James gegen Thomas Müller

James Rodriguez war der absolute Wunschspieler von Ancelotti. Der Torschützenkönig der WM 2014 wechselte zu Saisonbeginn von Real Madrid auf Leihbasis zu den Münchnern.

Doch der Kolumbianer hatte erhebliche Startschwierigkeiten beim FC Bayern. Den Saisonauftakt verpasste er verletzungsbedingt, wieder fit bekam er zunächst kaum Einsatzzeiten. Wenn er spielte, wirkte er phasenweise wie ein Fremdkörper im Team.

Als dann sein Förderer Ancelotti gehen musste, kamen Gerüchte auf, James wolle den FC Bayern so schnell wie möglich wieder verlassen und nach Madrid zurückkehren.

Doch Heynckes stärkte ihm den Rücken. Und das zeigte Wirkung. In den wichtigen Bundesliga-Spielen gegen RB Leipzig und beim BVB stand er in der Startelf und glänzte mit einem Tor gegen RB und zwei Assists in Dortmund.

Allerdings profitierte der Kolumbianer auch von den Verletzungen seiner Konkurrenten Thiago und Thomas Müller. Thiago, vergangene Saison noch gesetzt auf der Zehn, fällt seit Ende November aus, auch Müller fehlte zwischenzeitlich mit einem Muskelfaserriss.

Müller will in der Rückrunde ein Wörtchen mitreden im Kampf um die Zehn. Der 28-Jährige hat sich nach schwacher Vorsaison wieder gefangen und ist in der aktuellen Spielzeit neben Joshua Kimmich Topvorbereiter bei den Münchnern. "Müller spielt immer" hieß es bei Ex-Trainer Louis van Gaal. Diese Philosophie galt in der Hinrunde auch bei Heynckes. War Müller fit, stand er bis auf wenige Ausnahmen in der Startelf.

Doch das heißt keineswegs, dass er den Kampf um die Zehn gegen James gewinnen muss. Müllers große Stärke ist die Flexibilität. Er kann genauso gut auf den Flügel ausweichen, um zum Beispiel Arjen Robben zu entlasten. Es muss also nicht immer heißen "James oder Müller", sondern es kann auch heißen "James und Müller". Der Kampf ist auf jeden Fall völlig offen.

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Teaserbild: © imago/Michael Weber