Viele Spieler, die vor vier Jahren in Brasilien Weltmeister wurden, stehen heute in Russland auch auf dem Platz. Hinzu kommen junge, ambitionierte Nationalspieler wie Joshua Kimmich und Timo Werner. Jugend schlägt Alter – und: Erfahrung schlägt Neugierde? Wir machen den Head-to-Head-Vergleich beider Teams.

Mehr News zur WM 2018 finden Sie hier

Der Glanz von 2014 ist deutlich erblasst, als Thomas Müller, Sami Khedira und Kollegen im ersten WM-Gruppenspiel gegen Mexiko auf dem Platz standen. Von Leichtigkeit und Spielfreude, die die deutsche Mannschaft in Brasilien auszeichneten, blieb nicht viel übrig. Dabei standen acht Spieler in der Startelf, die vor vier Jahren in Rio dabei waren.

Dazu lösten junge Spieler die Erfahrenen ab, die ihre Karriere beendet haben: Timo Werner für Miroslav Klose und Joshua Kimmich für Philipp Lahm etwa. Doch welche Mannschaft ist stärker: 2014 oder 2018? Wir machen den Check zwischen der Endspiel-Formation 2014 und der Start-Aufstellung gegen Mexiko 2018.

Manuel Neuer 2014 vs. 2018

Joachim Löw und ganz Fußballdeutschland atmeten auf, als sich Manuel Neuer Anfang des Monats fit meldete und die Testspiele gegen Saudi-Arabien und Österreich ohne Schmerzen bestritt. Der 32-Jährige hat eine neunmonatige Verletzungspause hinter sich. Sein Weltklasse-Niveau, wie er es 2014 beispielsweise im Achtelfinale gegen Algerien unter Beweis stellte, muss er dieses Jahr erst zeigen.

Fazit: Manuel Neuer 2014 kann (noch) nicht getoppt werden.

Philipp Lahm vs. Joshua Kimmich

Der Kapitän gegen den Shootingstar - der auf dem besten Weg ist, seinen Vorgänger zu beerben. Kimmich wird bereits für Lahms legitimen Nachfolger gehalten, ist erstaunlich weit für einen 23-Jährigen. Dennoch betonte der Bundestrainer jüngst, angesprochen auf die Veränderung seit 2014: "Wir haben keinen Philipp Lahm mehr." So weit wie Lahm damals ist Kimmich noch nicht. Gegen Mexiko lief der Schiedsrichter zeitweise schneller als er, wie TV-Bilder beweisen.

Fazit: Joshua Kimmich muss noch an sich arbeiten.

Jérôme Boateng 2014 vs. 2018

Während sich Jérôme Boateng vor vier Jahren in die Innenverteidiger-Weltspitze schob, ist der 29-Jährige zuletzt häufig verletzt gewesen und konnte sein Potenzial nicht vollständig abrufen. Gegen Mexiko lief er den Bällen hinterher, nach dem Spiel fand er deutliche Worte: "Das war zu viel Querpass, zu viel rückwärts, zu wenig Bewegung, zu wenig Überraschung. Am Sonntag war WM-Auftakt, da müssen wir einfach anders auftreten. Das wir in der Zweikampfstatistik hinten lagen, passt da einfach ins Bild."

Fazit: Boateng war 2014 in Top-Form, bisher kommen nur seine Qualitäten als Führungsspieler hervor.

Mats Hummels 2014 vs. 2018

Mit seinem Wechsel zum FC Bayern (2016) machte Mats Hummels einen Karrieresprung, auch hinsichtlich seiner Qualitäten als Führungsspieler. Das bewies er mit seiner deutlichen Kritik an der Mannschaft nach der Niederlage gegen Mexiko ("Ich spreche das intern oft an, aber es fruchtet anscheinend nicht"). Hummels verschuldete das Gegentor mit, machte im Spiel keine glückliche Figur.

Fazit: Gleichauf. Führungsspieler werden seit Lahms und Schweinsteigers Abgängen gebraucht. Die Leistung überzeugte 2014 mehr.

Benedikt Höwedes vs. Marvin Plattenhardt

Innenverteidiger Benedikt Höwedes agierte bei der WM 2014 als Linksverteidiger – mangels Alternativen. Diese gibt es nun in Person von Jonas Hector und Marvin Plattenhardt. Hector ist seit zwei Jahren Stammspieler. Marvin Plattenhardt rutschte gegen Mexiko ins Team, da Hector krankheitsbedingt fehlte und wirkte fehl am Platz. Defensive Stabilität verlieh er dem deutschen Spiel nicht.

Fazit: Während Höwedes vor vier Jahren einen soliden Job machte, ist nun Jonas Hector gefragt.

Sami Khedira 2014 vs. 2018

Sami Khedira ist gut drauf, nicht selbstverständlich für den Mittelfeldmann von Juventus Turin. Seit etwa zwei Jahren ist er verletzungsfrei, vor der WM 2014 hatte sich Khedira einen Kreuzbandriss zugezogen, der erst in letzter Minute vollständig auskuriert war. Der 31-Jährige gab kürzlich zu, damals viele Selbstzweifel gehabt zu haben. Das sei nun anders: "Deswegen fühle ich mich gut, da kann ich mich noch mal ganz anders einbringen. Ich kann den Rundumblick haben, kann Mitspieler führen", sagte er. Gegen Mexiko spielte der Juve-Star unterirdisch, war mitverantwortlich am Gegentor.

Fazit: Unentschieden. Steigert sich Khedira noch, übersteigt er sein Niveau von 2014 jedoch.

Toni Kroos 2014 vs. 2018

Er ist der konstanteste Spieler der Weltmeister-Mannschaft: Während seine Kollegen in den vier Jahren viele Höhen und Tiefen erlebten, wuchs Toni Kroos peu à peu über sich hinaus. Erst wenige Tage nach dem WM-Finale in Rio de Janeiro wurde sein Wechsel zu Real Madrid bekannt. Vier Jahre später hat Kroos drei Champions-League-Titel und reichlich Erfahrung mehr im Gepäck.

Fazit: Toni Kroos ist 2018 besser in Form als 2014.

Thomas Müller 2014 vs. 2018

Der ewige Thomas Müller büßte im Vergleich zu seiner Traum-WM in Brasilien an Stärke und Stellung ein. Unter Carlo Ancelotti ins Abseits beim FC Bayern geraten, kämpfte sich der 28-Jährige unter Jupp Heynckes wieder an die Weltklasse heran. In der Nationalmannschaft ist davon allerdings bislang wenig zu sehen. Gegen Mexiko tauchte Müller auf dem rechten Flügel unter.

Fazit: Müller 2014 war eine Waffe, 2018 ist er es bislang nicht.

Mesut Özil 2014 vs. 2018

Mehr denn je steht Mesut Özil in der Kritik. Sein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan rückte ihn noch mehr ins Scheinwerferlicht. Der Fußballgott meinte es dann nicht gut mit ihm, als sich Özil beim Gegentreffer gegen Mexiko zu leicht austanzen ließ. Mario Basler verglich seine Körpersprache bei "Hart aber fair" mit der eines "toten Froschs". Für Joachim Löw ist Özil seit Jahren eine konstante Größe im Team.

Fazit: Unentschieden. Zündet Özil den Turbo, kann er nach wie vor spielentscheidend sein.

Bastian Schweinsteiger vs. Julian Draxler

Zwei Spieler, die nicht vergleichbar sind, sich aber aufgrund des geänderten Spielsystems ergibt. Wie Philipp Lahm wird Schweinsteiger, der 2016 seine Karriere in der Nationalmannschaft beendete, als Führungsspieler vermisst. Seine fußballerische Höchstleistung war 2014 aber schon überschritten. Julian Draxler führte die deutsche Nationalmannschaft beim Confed Cup 2017 als Kapitän aufs Feld und hatte zum WM-Auftakt als erster seinen Startelf-Platz sicher.

Fazit: Julian Draxler ist auf dem Platz die stärkere Alternative als Bastian Schweinsteiger 2014.

Miroslav Klose vs. Timo Werner

Legende vs. Youngster: Miroslav Klose verewigte sich 2014 in den Geschichtsbüchern, als er zum erfolgreichsten Torschützen der WM-Geschichte aufstieg. Vor vier Jahren spielte Klose bereits nur noch eine untergeordnete Rolle, schließlich war der Torjäger damals schon 36 Jahre alt. Timo Werner belebt den Angriff im deutschen Nationalteam. Teamkollege Joshua Kimmich warnt: "Ich habe zusammen mit ihm noch nie an einem Turnier teilgenommen, bei dem er nicht Torschützenkönig wurde." Gegen Mexiko zündete der Turbo noch nicht.

Fazit: Bietet sich Timo Werner seinen Mitspielern an, ist er die stärkere Option als Miro Klose vor vier Jahren.

WM 2018: Senegalesische Fans räumen Tribühne auf

Diese Fans können sich sehen lassen: Nach dem WM-Spiel des Senegal gegen Polen räumen Senegal-Fans das Stadion auf. Sauber! © DAZN