Unterzahl? Da wird Lewandowski erst richtig warm. Dardai will keinen Trainersohn-Bonus und der ewig inkonstante BVB vergrault seinen Wunderstürmer Haaland. Hier folgt unsere nicht immer ganz ernst zu nehmende Bundesliga-Rückschau auf den 26. Spieltag.

Diese Kolumne stellt die Sicht des Autors/der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Die Ergebnisse des 26. Spieltags

  • Arminia Bielefeld - RB Leipzig 0:1
  • FC Bayern München - VfB Stuttgart 4:0
  • Eintracht Frankfurt - 1. FC Union Berlin 5:2
  • 1. FC Köln - Borussia Dortmund 2:2
  • Werder Bremen - VfL Wolfsburg
  • FC Schalke 04 - Borussia Mönchengladbach 0:3
  • TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 1:2
  • Hertha BSC - Bayer 04 Leverkusen 3:0
  • SC Freiburg FC Augsburg 2:0

Davon sollten Sie am Wochenende gehört haben

  • Pal Dardai war genervt: Und das, obwohl der Hertha-Trainer mit seinem Team am Sonntag einen überraschend deutlichen Sieg gegen den Kurzzeittabellenführer der Hinrunde, Bayer Leverkusen, feierte. Was störte den Ungarn also? Seit vier Spielen ist Dardais Sohn Marton in der Hertha-Innenverteidigung gesetzt. Darauf und auf die besondere Konstellation angesprochen, reagierte Dardai in einem Sky-Interview gereizt. "Das ist Quatsch. Er soll Aufmerksamkeit kriegen, wenn er gut spielt. Dann muss man eine Analyse machen. Aber nicht bei Trainer und Sohn", sagte er da unter anderem. Später fügte er noch hinzu: "Ich habe hundertmal gebettelt. Er ist kein Trainersohn! Er heißt Marton Dardai. Und er soll nach seinem Spiel bewertet werden, nach seinem Status und was er macht." Na gut, dann ist der Name eben nur Zufall und Marton, dessen Name nicht genannt werden darf (wer hat gestern noch Harry Potter gesehen?), ein stinknormaler Verteidiger.
  • Der FC Schalke wurde mal wieder seiner Rolle als Aufbaugegner gerecht. Sogar die Gladbacher, die zuletzt sieben Pflichtspiel-Niederlagen in Folge hatten hinnehmen müssen, gewannen gegen Königsblau, das weiter auf dem letzten Tabellenplatz bleibt - mit nun 13 Punkten Abstand auf den Relegationsplatz. Mit nur zehn Punkten nach 26 Spieltagen ist S04 zusammen mit dem Wuppertaler SV (1974/1975) der zweitschlechteste Tabellenletzte der Bundesliga-Historie. Nur Tasmania Berlin war 1965/1966 mit sechs Punkten noch schlechter.
  • Eine Kuriosität gab es in Freiburg. Der SC war zu Hause freiwillig in seinen gelben Ausweichtrikots angetreten, weil einer seiner Profis unter einer Rot-Grün-Sehschwäche leidet. Da die Gäste aus Augsburg komplett in Grün aufliefen, hätte bei den roten Freiburger Heimtrikots möglicherweise Verwechslungsgefahr für den betroffenen Spieler bestanden. "Da haben wir gesagt, das müssen wir ändern" sagte SC-Trainer Christian Streich beim Pay-TV-Sender Sky. "Das Risiko wollten wir nicht eingehen."
  • Robert Lewandowski. Das reicht eigentlich schon. Das Heimspiel der Bayern gegen den VfB Stuttgart begann eigentlich ungünstig. Alphonso Davies flog bereits in der 12. Spielminute nach einem groben Einsteigen mit Rot vom Platz. Kurz darauf hatten die Schwaben die große Chance zur Führung durch Torjäger Sasa Kalajdzic. Doch es kam mal wieder anders. Und es kam mal wieder Lewandowski. Noch in der ersten Hälfte erzielte der Pole einen Dreierpack. 35 Saisontore hat er damit. Nach 26 Spieltagen. Man hat sich irgendwie daran gewöhnt, aber das ist einfach Wahnsinn. So viele Tore gelangen ihm zuvor noch nie. Nur Gerd Müller schaffte mehr - 36 Tore in der Saison 1972/73, 38 Tore in der Spielzeit 1969/70 und 40 Tore in der Rekordsaison 1971/72. Mal sehen, welche Marke der Pole bis zum Saisonende noch knacken kann. Momentan sieht alles danach aus, dass er einfach immer weiter macht und am Ende bei 50 Saisontoren landet.

Vergrault der BVB seinen Wunderstürmer Haaland?

Auch Dortmunds Erling Haaland ist weiter in absoluter Topform. Das gilt allerdings nicht für den BVB, der nach dem Unentschieden gegen Köln weiter um die Teilnahme an der Champions League bangen muss.

Die Bilder des Frust-Abgangs von Einzelkämpfer Haaland bieten eine Menge Spielraum für Interpretation. Mit zornigem Gesicht und lautstarken Flüchen war der Retter von Borussia Dortmund nach dem 2:2 (1:1) beim 1. FC Köln in die Kabine gerannt und würdigte niemanden um sich herum eines Blickes. Sein Trikot warf er Gegenspieler Jorge Meré in die Arme, ohne dessen Shirt als Gegenleistung abzuwarten.

Schon in der Halbzeitpause soll Haaland etwas unzufrieden gewesen sein. "F*** this bullshit!", soll der Angreifer laut einigen Anwesenden im Spielertunnel gerufen haben.

Für Edin Terzic ist das kein kein Grund zur Sorge: Natürlich seien diese Bilder und diese Ausbrüche Ausdruck des "unbändigen Siegeswillens" der norwegischen Tormaschine, wie der BVB-Trainer betonte. Selbst ein Last-Minute-Punkt mit zwei eigenen Toren stellt Haaland nicht zufrieden. Und man kann auch durchaus einräumen, dass die Bilder auch Ausdruck harter Selbstkritik sein könnten. Der 20-Jährige hatte nämlich unter anderem mit einem Pfosten-Kopfball noch Chancen zu weiteren Treffern.

Sie können aber auch anders interpretiert werden. Haaland haderte während der Partie mehrfach mit seinen Mitspielern oder winkte ab. Es wirkte, als habe er den - durchaus nachvollziehbaren - Eindruck gewonnen, alles alleine regeln zu müssen. "Die Mannschaft bringt mal wieder nix zustande? Dann mach ich halt wieder selber meine zwei Buden."

So oder so ähnlich könnte sich Haaland das gedacht haben. Und auf die Europa League oder gar die neue Conference League anstelle der Champions League hätte die heißeste Stürmer-Aktie im Weltfußball sicher wenig Lust.

Der Rückstand des BVB auf den wichtigen vierten Tabellenplatz, den Eintracht Frankfurt belegt, beträgt derzeit vier Punkte. Die Hessen im nach der Länderspielpause folgenden Direkt-Duell zu überholen, ist damit erst mal unmöglich. Eine Niederlage gegen Frankfurt könnte bei noch sieben ausstehenden Spielen sogar schon eine Vorentscheidung gegen den BVB bedeuten.

Um Haaland wirbt die halbe Fußballwelt und alle warten nur darauf, dass der BVB ihm Gründe für einen vorzeitigen Abschied liefert. Alles andere als die Bühne Champions League wäre seiner nicht würdig. In 21 Bundesligaspielen in dieser Saison hat Haaland sagenhafte 21 Tore erzielt. In einer "normalen" Bundesliga ohne Lewandowksi wäre Haaland - neben Frankfurts André Silva - damit der beste Torschütze.

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Zitat des 26. Spieltags

"Zwischen der 50. und 65. Minute wurde gefühlt Basketball gespielt. Da ging es hin und her. Das war Fast Break."

(Trainer Edin Terzic von Borussia Dortmund nach dem 2:2 beim 1. FC Köln)

Zahl des 26. Spieltags

78 - So viele Saisontore nach 26 Spieltagen wie nun der FC Bayern hatte in der Bundesliga noch kein Team auf dem Konto.

Mit Material der dpa.
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