Bei der WM in Russland haben die DFB-Kicker die Chance, sich ins internationale Rampenlicht zu spielen, sofern sie da nicht schon angekommen sind. Wir zeigen, für welche Spieler das Turnier in Russland den internationalen Durchbruch bedeuten könnte.

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Die WM in Russland ist ein Schaulaufen von Stars - und solchen, die es werden wollen. In Brasilien 2014 gelang beispielsweise James Rodriguez der ganz große Durchbruch, der Kolumbianer wurde Torschützenkönig des Turniers und wechselte im Anschluss für rund 60 Millionen Euro zu Real Madrid.

Auch Deutsche nutzten Weltmeisterschaften in der Vergangenheit häufig als Sprungbrett. Ein Mesut Özil beispielsweise spielte 2010 ein starkes Turnier und wechselte im Anschluss ebenfalls zu Real.

Im deutschen Kader gibt es einige Spieler, für die die WM ein entscheidender Karriereschritt sein könnte.

Niklas Süle

Niklas Süle hat in seiner Premieren-Saison beim FC Bayern mehr Spielzeit bekommen, als ihm so mancher zugetraut hätte. 42 Pflichtspiele waren es am Ende. Zum Vergleich: Verteidiger-Kollege Mats Hummels kam auf 41, Jerome Boateng, auch verletzungsbedingt, nur auf 31 Einsätze.

Eine große Stärke Süles ist die für seine robuste Statur ungewöhnlich hohe Endgeschwindigkeit. Die kommt besonders bei konterlastigen Gegnern zum tragen. Für Joachim Löw könnte Süle also eine Option bei tiefstehenden Gegnern mit schnellem Umschaltspiel sein.

Das Duo Boateng/Hummels ist beim Bundestrainer jedoch vorerst gesetzt. Doch Süle scharrt nicht nur im Verein mit den Hufen. Der 22-Jährige ist der Kronprinz in der Bayern-Verteidigung, und damit auch fast zwangsläufig in der Deutschen Nationalmannschaft.

Zumal sowohl Hummels als auch Boateng verletzungsanfällig sind. Nicht zuletzt Süle könnte ein Grund sein, warum Boateng über einen Abgang bei den Bayern nachdenkt.

Für Süle geht es auch darum, sich für den neuen Bayern-Trainer Niko Kovac zu empfehlen. Wenn sich also eine Chance ergibt, wird Süle sie nutzen. Gegenüber seinen Konkurrenten Antonio Rüdiger und Matthias Ginter hat er einen großen Vorteil - er ist mit seinen Bayern-Kollegen in der Defensive eingespielt.

Leon Goretzka

Leon Goretzka hat sowohl beim DFB als auch bei seinem neuen Klub, dem FC Bayern, die gleichen Voraussetzungen: Er muss sich hinten anstellen. Beim Rekordmeister heißen die Konkurrenten im zentralen Mittelfeld Thiago, Javi Martinez und James Rodriguez, beim DFB sind es Toni Kroos, Sami Khedira und Ilkay Gündogan.

Bei Joachim Löw spielte Goretzka bisher eine eher untergeordnete Rolle. Doch beim Confed-Cup im vergangenen Jahr nutzte der gebürtige Bochumer seine Chance und spielte sich ins Rampenlicht. Der FC Bayern reagierte und lotste Goretzka zur neuen Saison vom FC Schalke nach München. Aber auch der FC Barcelona soll reges Interesse an dem 23-Jährigen gehabt haben.

Bei Löw ist Kroos im zentralen Mittelfeld gesetzt, daneben streiten sich Khedira und Gündogan um den Platz an Kroos' Seite. Khedira liegt dabei aktuell etwas vorn, auch weil Kroos und Gündogan von der Spielanlage vielleicht zu ähnlich sind.

Dennoch ist der Platz neben Kroos keinesfalls fest vergeben. Auch Goretzka kann ihn sich erkämpfen - und genau das ist seine Stärke. Er gilt als Mentalitätsmonster, der bis zum Schluss alles für die Mannschaft gibt und sich für keinen Laufweg zu schade ist. Das schafft Räume und kann auch die Mitspieler mitreißen.

Unvergessen ist das Schalker Viertelfinalrückspiel der Europa League gegen Ajax Amsterdam aus dem Jahr 2017. Mit ausgerenktem Kiefer und Gehirnerschütterung biss sich Goretzka durch das Spiel. Er soll sich in der Kabine sogar übergeben haben. Dennoch gelang ihm der Führungstreffer, bevor er völlig entkräftet vom Platz humpelte.

Da werden Erinnerungen an Bastian Schweinsteiger im WM-Finale 2014 gegen Argentinien wach. Unvergessen der Einsatz Schweinsteigers, der weit über die Schmerzgrenze hinaus ging, immer wieder einstecken musste und schließlich sein Team zum Titel führte.

Solche Eigenschaften sind für einen erneuten WM-Triumph unabdingbar. Das DFB-Team muss wie 2014 weit über die Schmerzgrenze gehen. Und genau das ist die Chance für Leon Goretzka.

Julian Brandt

Julian Brandt war in der abgelaufenen Saison ein Teil der vielleicht spektakulärsten Offensive der Bundesliga. Gemeinsam mit Leon Bailey bildete er die Flügelzange von Bayer Leverkusen. Die Offensive von Trainer Heiko Herrlich stand vor allem für blitzschnelles Umschaltspiel.

Der Jamaikaner Bailey hat sich längst auf die Notizzettel der internationalen Topklubs gespielt. Doch auch Brandt spielte eine gute Serie. Bundestrainer Jogi Löw hält große Stücke auf den 22-Jährigen. Nicht umsonst entschied er sich für Brandt und schickte Leroy Sané nach Hause.

Dennoch wird es Brandt schwer haben, bei der WM auf Einsatzzeiten zu kommen. Marco Reus, Julian Draxler und Thomas Müller haben die Nase noch vorn, vorerst ist Brandt als Backup Müllers auf der rechten Außenbahn eingeplant.

Brandts Stärke ist nicht nur das schnelle Umschaltspiel. Er hat eine überragende Ballbehandlung und ist sehr stark in Eins-gegen-Eins-Situationen. Gerade gegen tiefstehende Gegner könnte Brandts Dribbelstärke ein Schlüssel werden.

Vor allem ist Brandt keiner, der zu schnell abhebt. Er verlängerte erst vor kurzem den Vertrag in Leverkusen, obwohl der FC Bayern starkes Interesse an dem gebürtigen Bremer gehabt haben soll.

Löw wird sich etwas dabei gedacht haben, auf Brandt zu setzen und den in der englischen Premier League stark spielenden Sané zu Hause zu lassen. Wenn Brandt seine Zeit bekommt, so kann er der Mann für die entscheidende Aktion werden. Oft braucht es nur diese eine Aktion, um der Fußballwelt wie Mario Götze seinen Stempel aufzudrücken.

Timo Werner

Er ist die Nummer eins im deutschen Sturm. Trotz seiner erst 22 Jahre verfügt Timo Werner national schon über eine enorme Erfahrung, der Spieler von RB Leipzig knackte in der abgelaufenen Saison die 150-Spiele-Marke in der Bundesliga - als jüngster Spieler überhaupt.

Seit dem Confed-Cup im vergangenen Jahr, bei dem er mit fünf Scorerpunkten in vier Einsätzen maßgeblichen Anteil am Titelgewinn der DFB-Elf hatte, hat er seinen Stammplatz im Angriffszentrum sicher. Er soll dort das Vakuum füllen, das Miroslav Klose nach der WM 2014 hinterlassen hat.

Zu seinen Stuttgart-Zeiten noch als Chancentod verschrien, hat Werner bei RB einen richtigen Torriecher entwickelt. Jeweils 21 Pflichtspieltore steuerte er in den vergangenen beiden Spielzeiten für die Leipziger bei.

Doch Werner hat noch eine weitere Waffe, die ihn von den meisten Stürmern in Deutschland abhebt - seine Schnelligkeit. Diese gepaart mit einem guten Dribbling könnte für Deutschland in den entscheidenden Spielen ein Trumpf werden - vor allem, wenn die Löw-Elf gegen mitspielende Gegner selbst einmal schnell umschalten will.

Werners Qualitäten sind den europäischen Top-Vereinen nicht verborgen geblieben. Zwischendurch wurde über das Interesse von Real Madrid spekuliert, auch der FC Bayern soll an dem gebürtigen Stuttgarter großes Interesse haben, vor allem, wenn Robert Lewandowski den Rekordmeister verlassen sollte. Als mögliche Ablöse steht ein Betrag von 100 Millionen Euro im Raum.

"Werner ist jung, er kann irgendwann in die Weltspitze kommen, weil er diese Dynamik hat", sagte der Stürmer-Coach des DFB, Miroslav Klose, im "Kicker".

Will Deutschland seinen Titel verteidigen, braucht es Timo Werner in Top-Form. Und wenn Werner sein Potenzial in Russland abruft, kann er der Star der Weltmeisterschaft werden.

Marco Reus

Zugegeben, Marco Reus auf die Liste möglicher Durchstarter zu setzen, erscheint auf den ersten Blick abwegig. Schließlich ist der BVB Profi bereits 29 Jahre alt und damit einer der ältesten Spieler im Kader von Jogi Löw.

Dennoch hat Reus den kompletten internationalen Durchbruch noch nicht geschafft. Und das liegt vor allem an seinem Verletzungspech. Bei der Generalprobe vor der WM 2014 verletzte sich der BVB-Profi am Syndesmoseband, bei der EM 2016 muss er mit einer Schambeinverletzung passen.

Bisher hat der vielleicht technisch stärkste deutsche Offensivspieler bis auf einen DFB-Pokal-Sieg aus dem vergangenen Jahr noch keinen namhaften Titel in der Vitrine stehen. 2014 musste Reus als Zuschauer mitansehen, wie sein Kumpel Götze die DFB-Elf zum Titel schoss.

Auch 2017 war für Reus ein schwieriges Jahr. Im DFB-Pokalfinale riss er sich das Kreuzband und fiel wie bei seiner Schambeinverletzung im Jahr zuvor über sechs Monate aus. Doch Anfang 2018 kämpfte sich der gebürtige Dortmunder wieder ins Team und knüpfte an seine Topform an.

Jetzt ist Reus topfit und brennt auf seine erste Weltmeisterschaft. Nicht nur Bundestrainer Löw ist beeindruckt. Als "Rakete" mit "außergewöhnlichen Fähigkeiten" bezeichnete er jüngst den 29-Jährigen.

Reus' spektakuläre Dribblings, seine präzisen Pässe und seine spielerische Intelligenz gepaart mit einem herausragenden Abschluss können dem deutschen Spiel eine völlig neue Qualität verleihen. Reus ist jemand, der in den entscheidenden Spielen den Unterschied ausmachen kann.

Entgegen seiner Ex-Vereinskollegen Hummels und Lewandowski ist Reus seinem BVB über Jahre treu geblieben. Viele fragen sich, ob seine Karriere bei weniger Verletzungspech nicht einen deutlich steileren Verlauf genommen hätte.

Doch ein fitter Marco Reus hat noch ein paar Jahre auf Top-Niveau vor sich. Und eine gute WM kann für den 29-Jährigen trotz seines fortgeschrittenen Fußballeralters doch noch einmal einen Karrieresprung bedeuten. Dann könnten auch die internationalen Top-Klubs bei dem Dortmunder anklopfen - und er seine Vitrine mit weiteren Titeln füllen.

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